Eine zoologische Sensation
 

Fund des Großen Eichenbocks im Schlosspark Eckartsau

Der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo), auch Heldbock genannt, galt in den Donauauen bereits als ausgestorben oder verschollen. Alte Fraßspuren dieser seltenen und eindrucksvollen heimischen Käferart konnten immer wieder an Bäumen im Schlosspark Eckartsau gefunden werden. Aber DI Hermann Margl machte am 5. September 2004 im Schlosspark von Eckartsau einen großartigen Fund. Er hatte ein ausgewachsenes Weibchen des schon ausgestorben geglaubten Großen Eichenbocks (Cerambyx cerdo) entdeckt. Dieser Fund eines adulten Tieres ist der Beweis, dass die im Natura 2000 Netzwerk geschützte Käferart noch immer in den Donauauen bei Eckartsau lebt.
Die im Schlosspark Eckartsau durchgeführten Revitalisierungsmaßnahmen wie eine stärkere Freistellung des alten Baumbestandes dürften sich aufgrund der Lebensraumansprüche der geschützten Käferart positiv auswirken.
Voraussetzung für das Überleben des Heldbocks ist ein Umdenken im Umgang mit alten, zum Teil zerfallenden Bäumen und Totholz als wichtigen Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten wie auch dem Großen Eichenbock.

Zum Nachlesen:

Der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo)


Grosser Eichenbock (zum Vergrößern klicken)

Der Große Eichenbock ist der größte heimische Bockkäfer und einer der größten Käfer Europas. Die Größe variiert sehr stark, von 29 bis 56 mm Länge und 9 bis 15 mm Breite, wobei kaum geschlechtsspezifische Unterschiede auftreten. Allerdings haben die Männchen mit bis zu 100 mm Länge deutlich längere Fühler als die Weibchen, deren Fühler kaum Körperlänge erreichen. Der Körper ist braunschwarz gefärbt, die schwarzen Flügeldecken verschmälern sich nach hinten und haben dort eine rotbraune Färbung. Der Halsschild ist auf der Oberfläche stark gerunzelt und hat an den Seiten je einen starken spitzen Dornfortsatz. Die Beine sind lang und kräftig.

Der Heldbock ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Flugzeit des Großen Eichenbocks ist wahrscheinlich temperaturabhängig und reicht in Österreich von Mai bis Mitte August. Die erwachsenen Käfer leben von Baumausscheidungen an Eichen. Die Tiere sind relativ flugunlustig, sie können sich über mehrere Generationen am gleichen Brutbaum aufhalten. Die Distanzen, die die Käfer im Flug zurücklegen, betragen meist nicht mehr als 400 bis 500 m. Aus diesem Grund können sie auf eine Zerstörung oder starke Veränderung ihres Lebensraumes nur sehr bedingt reagieren.

Die Weibchen legen in Rindenritzen ihre Eier ab, aus denen nach bis zu drei Wochen die Larven schlüpfen und sich in die Rinde einfressen. Die Larven fressen sich sehr tief durch den Stamm bis ins Kernholz, sodass der Eichenbock noch Anfang des letzten Jahrhunderts als schlimmer Forstschädling galt. Die Entwicklung des Großen Eichenbocks dauert mindestens drei Jahre. Die Verpuppung erfolgt im Spätsommer noch im Holz. Die nach weiteren 4 bis 6 Wochen fertig ausgebildeten Jungkäfer überwintern noch im Brutbaum und fressen sich zur Flugzeit durch die Rinde ins Freie.

Lebensraum
Der Große Eichenbock lebt in alten Eichenwäldern, locker strukturierten Alteichenbeständen, Hartholzauen, aber auch Parkanlagen mit einem alten Baumbestand, Alleen und frei stehenden Einzelbäumen. Er bevorzugt als wärmeliebende Käferart freistehende alte Eichen mit einem Stammumfang von mindestens 1 bis 2 m, die sonnenexponiert sind. In diesen Brutbäumen besiedelt er den Stammbereich, hier kann man auch die Ausfluglöcher entdecken.

Gefährdung
Für den Großen Eichenbock wird in Österreich ein drastischer Bestandesrückgang festgestellt. Er wird als gefährdete Tierart in der Roten Liste gefährdeter Tiere eingestuft. Die Hauptursachen liegen wie bei allen hochspezialisierten Bockkäfern im Mangel an geeigneten Lebensräumen in den modernen Wirtschaftswäldern begründet.

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